Zorica Petrovic

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VIVARO

Steckbrief


Zorica Petrovic

43 Jahre

Österreich

Romanes, Deutsch, Serbisch

Lehre als Frisörin

Gemeindebedienstete im Krankenhaus


Kaffee trinken, FreundInnen treffen, mit Menschen kommunizieren

Arbeitet. Ist Selbstbewusst. Hausfrau. Verheiratet. 1 Tochter. Gegen Nationalitäten


„Immer kämpfen und sich gegen Diskriminierung wehren“ und „Das Leben soll leichter werden“


O trajo sja maj pharjol


Mothol e Zorica Petrovic palaj buki, palaj edukacija taj palaj ekonomsko situacija taj pala peste. Voj lja te kerel e frizersko skola, numa morasas te arakhel pe lake borjake save taj nastisardja te tradel maj dur la skolasa.


„Das Leben ist schwerer und schwerer geworden“,


Mit dieser Aussage bezieht sich Zorica Petrovic ganz allgemein auf die Arbeit, die Bildung und auf die wirtschaftliche Situation im Alltag. Aber auch auf sich persönlich. Sie begann ursprünglich eine Lehre als Friseurin, musste aber dann auf die Kinder ihrer Schwägerin aufpassen und ihre Ausbildung abbrechen. Sie war damals die einzige, die in Frage kam die Kinder zu hüten.


Sie hat 1993 begonnen als Reinigungskraft im Krankenhaus zu arbeiten. Die Folge:  Eine Fortsetzung der Lehre war dann für sie nicht mehr interessant. Nun ist sie seit einigen Jahren als Gemeindebedienstete tätig und damit sehr zufrieden. Sie ist in zweiter Ehe mit einem Musiker verheiratet.


Petrovic betont immer wieder, dass es für Frauen von Relevanz ist, eigene Wege zu gehen. Beruf, Bildung, Weiterbildungen und „nach vorne schauen“. Gleichzeitig meint sie, dass Frauen auch für die Familie da zu sein haben.


Die 43-jährige ist eine sehr selbstbewusste Frau, die zu ihrer Zugehörigkeit steht. Diskriminierungserfahrungen und Antiziganismus sind ihr nicht fremd. „Besonders in nobleren Modegeschäften schauen sie mich gleich so an. Dann frage ich, was ist, was schaust du so? Ich wehre mich und bin immer direkt. Hinterm Rücken mache ich nichts. Sowas passiert mir eigentlich öfters. In der Post oder in Geschäften höre ich das immer wieder: Du Tschusch, stell dich hinter mir an“.


In diesem Zusammenhang richtet sie auch einen Appell an die Gemeinschaft: Sich mehr zu wehren.


„Ich wurde auch als Zigeunerin beschimpft. Meine Antwort auf so etwas: Was hast du dagegen, wir sind alle Menschen. Auch unter ÄrztInnen hört man Sätze wie: Die Zigeuner, die sind so anders. Besonders da halte ich nicht meinen Mund und werfe ihnen an den Kopf: Na und? Ich bin auch eine“. Petrovic wünscht sich so eine Einstellung bei mehr Roma.


Sie meint auch, dass man Roma anhand der Hautfarbe und der Kleidung erkenne, spricht sich aber auch gegen ein übertriebenes Nationalgefühl aus. „Ich hasse es, wenn jemand sagt, du bist Türke, Jugo, Zigeuner. Unterschiede hat es nicht zu geben“. Der Klassizismus ist ihr klar ein Dorn im Auge: „Alle sollen gleichberechtigt sein, egal ob arme oder reiche Frauen. Die Kommunikation soll auf Augenhöhe stattfinden“.


Für ihre Tochter, 21 wünscht sie sich einen guten Beruf, obwohl sie weiß, dass jene in der Freizeit und in der Lehre Diskriminierung erfährt und es insgesamt nicht leicht hat. Die 21-jährige wird aufgrund ihrer Hautfarbe schnell als Romni erkannt. Doch von ihrer Mutter hat sie die Einstellung und das Selbstbewusstsein geerbt und wehrt sich. Ihre sogenannten FreundInnen wollen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit nichts mehr mit ihr zu tun haben. Für die Tochter ist das in Ordnung, denn sie ist klug und weiß, bei so einer Bagage handelt es sich auch um keine wahren FreundInnen.


Diese Attitüde wünscht sich Petrovic auch für andere Romnja. Obwohl sie weiß, dass viele zurückgezogen leben und die notwendige Kraft, um sich auch zu wehren, dringend brauchen.  „Ich war früher immer fort, in der Skybar oder Steffl. Das wurde in der Familie gutgeheißen und wir haben sehr viel unternommen. So wurde ich erzogen. Gleichberechtigung wurde mir bereits in der Jugend mitgegeben“.


Sie ist gegen das Slut-shaming, Sexismus und Unterdrückung. Petrovic musste auch in ihrer Ehe kämpfen; kleidet sich aber nun wie sie will und lässt sich nicht unterkriegen. Ihre Message an Männer: „Nur, weil du ein Mann bist und ich eine Frau, kannst du mir nichts verbieten. Die Hauptsache ist, ich betrüge dich nicht. Ich darf alles machen, was ich will. Mit meinen Freundinnen Zeit verbringen. Klar gibt es Grenzen, aber Vertrauen ist wichtig“.  Nach  genau diesen Prinzipien lebt sie.


Das letzte Versprechen


„Betrüge deinen Mann nicht. Wenn er dich verlassen will, lass ihn gehen, damit dein Charakter erhalten bleibt“ – dies war das Versprechen, das sie ihrem Vater am Sterbebett gegeben hat. Petrovics Vater war eine wichtige Bezugsperson, die immer unterwegs war und viel gearbeitet hat. Ihre Mutter hat ein traditionelles Leben geführt. Zorica Petrovic konnte sich viel abschauen und weiß auch heute noch, dass es nicht leicht ist, eine Romni zu sein. Sie wünscht sich daher, dass das Leben für alle Frauen in jeglicher Hinsicht bald leichter wird.


Foto: Jenny Olaya-Peickner

ZORICA PETROVIC

43, Gemeindebedienstete

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