Marion Dworzack

Steckbrief

 

Marion Dworzack

54 Jahre

Österreich

Deutsch, Englisch, Italienisch (Grundkenntnisse)

 

Matura am Katholischen Gymnasium Innsbruck, Fremdenverkehrskolleg Innsbruck (Hotellerie Gastronomie)

 

Beamtin

 

Nähen, Kochen, Gäste einladen und selber Gast sein

 

Viel arbeiten, intensiver und vielfältiger Beruf. Außerberufliche Aktivitäten ebenfalls zeitaufwendig. Spaß kommt nicht zu kurz. Mit Freundinnen Zeit verbringen.

 

Glücklich sein im Hier und Jetzt, ruhend, nicht genervt werden, gerne Leben, Freude und FreundInnen haben

Foto: Jenny Olaya-Peickner

Marion Dworzack

54, Beamtin

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Lebensweise:

 

 

Motto/Ziel:

VIVARO

Das Leben in die eigene Hand nehmen

Die 54-Jährige, im Hopfgarten (Tirol) aufgewachsene, Feministin Marion Dworzack hat erst im Alter von 30 Jahren zu ihren Roma-Wurzeln gefunden. Sie ist sozialpolitisch 24h am Tag und 365 Tage im Jahr aktiv. Frau zu sein hat für sie eine wichtige Bedeutung. Früher wäre ihr nie in den Sinn gekommen, dass zum Beispiel ihre männlichen Kollegen besser behandelt werden. „Zum ersten Mal habe ich Benachteiligung als junge Mutter erfahren, da der Vater des Kindes sich zwar aus jeder Verantwortung stahl, aber gleichzeitig viel Aufmerksamkeit verlangte. Unterstützung erhielt ich von meinem Freundinnenkreis, dort war ich sehr gut aufgehoben. Daher kann ich es nicht verstehen, wenn junge Frauen nicht wissen, was wir Feministinnen für sie erkämpft haben. Und sich nicht darüber im Klaren sind, was der Internationale Frauentag für eine Bedeutung hat oder auch keine Lust haben von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, und einfach die Schulter zucken“, so die 54-Jährige, „Stattdessen begeben sie sich in ein modernes Biedermeier, heiraten und kümmern sich um den Haushalt. Ich wäre in meiner Jugend nie auf den Gedanken gekommen, mich auf einen Mann, von dem ich finanziell abhängig bin, zu verlassen“.

 

Marion Dworzack ist erschüttert über traditionelle Rollenbilder mancher jungen Frauen, welche nicht die Absicht haben, selbstbestimmt zu leben. Die Feministin kann die Grundlage solcher Lebensweisen nicht nachvollziehen. Und schon gar nicht deren politisches Desinteresse. Klassische, parteipolitische Inhalte spielten in ihrer Kindheit eine eher marginale Rolle, die politische Sozialisierung verlief „unabsichtlich und unbewusst. „Damals gab es einen Fernsehapparat und um halb Acht haben alle Nachrichten geschaut. Die Oma, die Eltern, der Bruder und ich, bereits als kleines Kind. Wenn etwas nicht verstanden wurde, bekam man es erklärt“.

 

Beim Thema Toleranz war es ihre Mutter, die einen großen Einfluss auf Marion ausübte: „Sie war eine zarte, einfache Frau mit voller Power, Großzügigkeit und Toleranz.“ Wenn irgendjemand darüber redete, wie sich eine Frau zu kleiden oder zu benehmen hätte, gab es für ihre Mutter immer nur eine klare Meinung: „Ich ziehe an, was ich will, das sollen andere auch tun“. Diese Liberalität und Selbstbestimmung prägte das Leben von Marion Dworzack. Toleranz und Weltoffenheit betrachtet sie als wichtige Eigenschaften, die sie auch ihrer Tochter weitergibt.

 

Weil wir uns erkennen

 

„Romnja sind sichtbar, weil wir uns einfach sehen. Es würde mich wundern, wenn wir uns nicht erkennen würden, wir sind überall“, so Marion. „Das Problem im medialen Diskurs ist, dass nur ein Teil unserer Leute gezeigt wird, keine Schauspielerinnen, wie Simonida Selimovic oder Journalistinnen, wie Gilda Horvath, sondern nur Klischees bedient werden: Romnja, die mit 16 geheiratet und mit 19 Jahren bereits drei Kinder haben“.

 

„Wenn die Frauen wie Simonida oder Gilda mediale Erwähnung finden, werden sie als "eh integriert" dargestellt. Gerade so, wie man früher über GastarbeiterInnen geschrieben hat: "eh fleißig" und "eh ordentlich". Sogar wenn beim Westbahnhof ein 5 x 3 m großes Foto einer Managerin, die Romni ist, ausgestellt würde, käme dieses "eh". Dieses Durchbrechen von Klischees betrifft uns alle“, sagt die Beamtin.

 

„Das ist genau dasselbe wie die Kopftuchdebatte, die wieder im medialen Fokus steht. Warum traut man sich überhaupt zu sagen, was eine Frau am Schädel tragen soll? Keiner redet über jüdische Frauen oder über Salafisten mit Bart. Wer gibt Männern überhaupt das Recht zu bestimmen, was eine Frau zu bedecken hat oder nicht?“, fragt die 54-Jährige empört.

Solidarität und Empowerment, „weg von der Fremdbestimmung“ betrachtet sie als Gesamtaufgabe. Aktionen wie die EU-geförderte Doku „marry when you are ready“ über Zwangsheirat und die Folgen, mehr Vernetzung und gemeinsames Auftreten verschiedener Frauengruppen, unabhängig von Volksgruppe oder Vereinszweck, sollte es viel mehr geben, so ihre Meinung.

 

Um Frauen, die weniger Zugang zur Außenwelt haben, zu erreichen, braucht es mehr Sensibilität vonseiten der ÄrtzInnen, aber auch von Schulen, meint Dworzack. Konkretes Beispiel: „Man sollte seitens der Bildungsstätte einfach mal nachfragen, wenn Mütter nie bei Schulveranstaltungen erscheinen. Bildungsinstitutionen sollte eine wichtige Verantwortung zukommen. Dies könnte nämlich zur Horizonterweiterung beitragen, indem sie Alternativen zu traditionellen Lebensweisen thematisieren“, sagt sie.

 

Die Beamtin selbst handelt nach der oben genannten Maxime „Sensibilität“, die sie bereits seit einigen Jahren in ihrer täglichen Arbeit integriert hat: Sie ist schon seit Jahren mit Frauenvereinen und Schutzeinrichtungen vernetzt. Deren Infoblätter, die sie im Fall des Falles gewissen Frauen zustecken kann, sind immer griffbereit. Diese Sensibilität wünscht sich Marion Dworzack ebenfalls von anderen Stellen.

 

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