Gordana Djordjevic

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Motto/Ziel:

VIVARO

Steckbrief

 

Gordana Djordjevic

32 Jahre

Romni/Serbien

Deutsch, Romanes, Serbisch, Englisch

 

Bildung und Berufsberaterin bei Thara, Workshopleiterin, Pädagogin

 

Bildung und Berufsberaterin bei Thara, Workshopleiterin, Pädagogin

 

Kunst, Malen, Theaterbesuche und Theater spielen

 

Lebe so wie es mir gefällt und so wie ich mich fühle, ohne mich zu verstecken oder etwas geheim zu halten. Sage offen, dass ich Romni bin.

 

„Wir sind alle gleich“. Allochthone Roma sollen als Volksgruppe und Minderheit anerkannt werden. „Weiterentwicklung meiner Selbst“ „Zurückzugeben auf unterschiedliche Arten und Weisen“

 

Nase voll vom Verstecken

 

„Wer bin ich, was bin ich?“. Diese Fragen haben Gordana Djordjevic lange Zeit beschäftigt. „Romanes durfte ich auf der Straße nicht sprechen. Mir war es auch verboten zu sagen, ich sei eine Romni, stattdessen antwortete ich mit Serbin auf die Frage, wo ich herkam. In Serbien jedoch mochten sie mich auch nicht. Ich habe mich nirgendwo zugehörig gefühlt. In Deutschland, wo ich aufgewachsen bin, war ich keine Deutsche, in Serbien keine Serbin.“

 

Im Alter von 17 Jahren änderte sich Djordjevics Identitätsproblem schlagartig. Das Selbstbewusstsein stieg und die Pädagogin beschäftigte sich mit der Sprache Romanes. Sie begann sich für deren Sprachaufbau zu interessieren und analysierte Liedtexte. Da endete auch das ewige Versteckspiel ihrer Identität dank ihres Mannes: „Er und seine Familie stehen zum Romanipe (Roma-Identität). Sie haben sich nie versteckt, das hat mir imponiert und ich bin bei ihm geblieben. Ich habe die Nase voll vom Verstecken: Ich bin eine Romni“.

 

Opfer Mauthausens

 

Obwohl die Berufsberaterin vor Selbstbewusstsein strotzt, ist sie sich darüber im Klaren, dass ihre Vergangenheitsaufarbeitung noch nicht abgeschlossen ist. Ihr Urgroßvater war in Pozarevac/ Serbien politischer Gefangener und hat sich gegen Armut und Ungerechtigkeit eingesetzt. Einen Tag nach dem Besuch seiner Frau war er nicht mehr da. Durch Nachforschungen im Jahre 2006 über das französische Rote Kreuz entdeckte man eine Todesanzeige mit Organversagen. Im Mai 1943 wurde ihr Urgroßvater nach Mauthausen deportiert, drei Monate später verstarb er dort.

 

Die 32- jährige hatte bisher noch nicht genug Kraft, um die Gedenkstätte aufzusuchen. „Ich habe Angst vor meiner eigenen Reaktion“. Irgendwann will sie aber genug Kraft haben, ins Todeslager gehen und erfahren, was passiert ist: „Erst dann, weiß ich, fühle ich mich nicht mehr unrund. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder alles mitbekommen“.

Für die Bildung und Berufsberaterin haben Bildung und Beruf einen sehr hohen Stellenwert. Wie ihr Großvater möchte sie einmal später politisch tätig werden. „Ich habe kein klares Ziel, weiß aber, dass ich etwas für die Roma-Community tun will. Ich will mich für sie engagieren und später sollen mir andere nachfolgen“, so Gordana.

 

Durchhaltevermögen

 

Zum Thema Frauen, weiß Djordjevic, dass es Unterschiede zwischen den Rollenverteilungen in den Communities gibt. Als Bori (Schwiegertochter), die neu einheiratet ist es nicht einfach. Sie wird durchgeröntgt und beschnuppert, ob sie kochen, putzen oder waschen kann. Wichtig ist, so die 32-jährige, die aus Erfahrung spricht, dass man sich seinen Platz erkämpfen, seine Meinung äußern, aber auch zu seinem Mann stehen kann. Mit der Zeit wird die Situation besser, daher ist Durchhaltevermögen sehr wichtig. Das empfiehlt sie auch neu Verheirateten.

 

Aber hierzu gib es auch eine andere Seite, die ihrer Meinung nach erwähnt gehört: „Romnja sind Trägerinnen. Es geht um das, was wir aus den Männern machen. Nach außen hin sind sie die Stärkeren - die Repräsentanten. Sollen sie auch sein, das ist okay und das stört mich auch nicht. Es gibt halt gewisse Normen und Regeln in der Roma Community, an die man sich zu halten hat. Aber in Wirklichkeit beeinflussen die Frauen ihre Männer.“ Das weiß Gordana Djordjevic, die es selbst gut erwischt, einen guten Mann und eine liebenswürdige Schwiegermutter hat.

 

Das outen Viele Roma-Angehörige bekennen sich nicht öffentlich zu ihrer Zugehörigkeit. Einerseits, weil der Umgang mit der Roma-Identität in jeder Familie unterschiedlich ist, andererseits outen sie sich nicht, aufgrund der Angst vor Jobverlust, Vorurteilen und Diskriminierung. „Durch jahrhundertelang tradierte Vorurteile und Klischees, wie Betteln, Stehlen, Dukaten um den Rumpf oder lange Röcke, sind diese Bilder in vielen Teilen der Gesellschaft verankert.

„Um dieses klischeehafte Bild zu ändern, muss mehr in die Öffentlichkeit gegangen und Parallelen aufgezeigt werden. Auch Romnja, die schwierig zu erreichen sind, wollen wir bei Thara sensibilisieren, aufklären und empowern. Es braucht Frauengruppen, die gestärkt werden. Zum Teil muss das aber, wegen Partnern mit veralteter Einstellung, vorsichtig passieren“, weiß Gordana Djordjevic.

 

„Die Romni ist nicht nur Bildungs- und Berufsberatern bei Thara, sondern verfügt über weitaus mehr Fähigkeiten und Eigenschaften, die sie in ihren verschiedenen Workshops und Vorträgen für das Aufbrechen des klischeehaften Roma-Bildes, bewusst immer wieder (szenisch) erfolgreich, einsetzt.

 

Foto: Jenny Olaya-Peickner

Gordana Djordjevic

32, Lebens- und Sozialberaterin

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